Meer und Himmel

Blau: Farbe des Geistigen und der Klugheit

Der Maler Franz Marc, der 1911 die Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" mitbegründete, malte am liebsten blaue Pferde. Blau war für ihn die Farbe des Geistigen, die er mit dem Pferd als Sinnbild ungebrochener Kraft kombinierte. "Blau ist das männliche Prinzip, herb und geistig", schrieb er in einem Brief an seinen Künstlerkollegen August Macke.
Vor ihm hatte schon Phillip Otto Runge das Blau dem Tag, Gottvater und dem Willen und damit allgemein der Erkenntnis des Geistes zugeordnet.

Die geistigen Fähigkeiten der vernunftsmäßigen Durchdringung, des Verstandes und Intellekts galten Jahrhunderte lang als eher männliche Eigenschaften. Möglicherweise ist das der Grund dafür, dass auch heute noch viele Menschen Blau als männliche Farbe wahrnehmen und charakterisieren. Von den Personen, die die Psychologin Eva Heller befragte, ordneten 36% dem Männlichen die Farbe Blau zu.

Die Psychoanalytikerin Ingrid Riedel vermutet, dass Blau die Qualität der Klarheit und Durchsichtigkeit - und im übertragenen Sinne die der rationalen Transparenz, der intellektuellen Durchdringung - von den durchsichtigen Medien Luft und Wasser gewinnt. Auch Chevalier betont diesen Aspekt, wenn er von Blau als der Farbe des Immateriellen spricht: "die Natur repräsentiert sich hier in Durchsichtigkeit - wie in Luft, Wasser, Kristall, Diamant."

Sicher gibt es aber auch einen Zusammenhang mit der Bedeutung von Blau als Farbe der Kälte und der Ferne. Gefühlsmäßige Kühle und Distanz gelten als Voraussetzungen für rationale Erkenntnis. Solche sachliche Nüchternheit und Objektivität symbolisiert zum Beispiel der blaue Hintergrund der Nachrichtensendungen.

 


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